Kontakt | Impressum | Datenschutz | Sitemap   Seite ausdrucken   


Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 1-6 2018

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 1 Ausgabe 2018

Zahnersatzmöglichkeiten bei Diabetikern

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Bei einem gut eingestellten Diabetiker ist (fast) jeder Zahnersatz (= ZE) realisierbar.     Bei einer diabetischen Erkrankung müssen im Vorfeld einer Zahnersatzbehandlung einige Parameter unbedingt berücksichtigt werden. So dürfen keine Schwankungen bei den täglichen Blutzuckermessungen auftreten, die eine gute Medikamenteneinstellung verhindern und Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel beschädigt erstens die Nerven und zweitens die Innenwände einiger kleiner Blutgefäße. Hauptsächlich davon betroffen sind Augen, die Nieren und die unteren Extremitäten. Aber auch im Mundraum zeigen sich die Schäden, insbesondere am Zahnfleisch und im Knochen, Blutungen und Wundheilungsstörungen sind objektive Zeichen dieser Schädigung. Schmerzen treten in den seltensten Fällen auf. Diese Begleiterscheinungen müssen weitestgehend ausgeschlossen sein. Ebenfalls sind eine gesunde Ernährung und eine optimale häusliche Mundhygiene entscheidende Konstanten für Machbarkeit und Langlebigkeit höherwertigen Zahnersatzes, der über Jahre Freude bereiten soll.                                          

Es muss nicht immer bei einer locker sitzenden Prothese bleiben. Die moderne Zahnheilkunde bietet zweckmäßige Alternativen für unbezahnte/bezahnte Oberer-und Unterkiefer an. Befinden sich noch Restzähne im Mund, kann neben einer herkömmlichen Klammerprothese eine Versorgung auf Teleskopkronen für einen besseren Halt sorgen. Die vorhandenen Zähne werden so vorbereitet, dass sie Primärkronen erhalten. Diese werden fest auf die behandelten Zähne zementiert. Diese Kronen können aus Metall oder Keramik hergestellt werden und dienen dem Schutz der betreffenden Zähne. In der herausnehmbaren Prothese befinden sich entsprechende Öffnungen = Sekundärkronen, welche über die Primärkronen geschoben werden und den stabilen der Sitz der Teleskopprothese gewährleisten. Sichtbare Klammern sind hierbei nicht mehr vorhanden. Es besteht die Möglichkeit die Sekundärkronen aus zahnfarbendem Kunststoff zu fertigen. Befinden sich viele Restzähne im Mund, wird ein noch stabileres Ergebnis erzielt. Die Reinigung sowohl der Restzähne als auch der Prothese ist recht einfach. 

Eine andere elegante und sichere Lösung ist die Geschiebetechnik. Hierbei werden die Zähne ebenfalls vorbehandelt und erhalten fest zementierten Kronen, welche den natürlichen Zähnen in Form und Farbe ähneln. An diesen Kronen befindet sich ein Innengeschiebe. Ein entsprechendes Außengeschiebe ist in der Prothese verankert und wird auf das vorhandene Innengeschiebe geschoben. Auch bei dieser Variante sind keine unschönen Klammern sichtbar. Eine feste Abstützung der Geschiebeprothese ist somit gewährleistet. Es sollten jedoch mindestens 2 nebeneinander stehende Zähne - aus statischen Gründen – in diese Prothesenart einbezogen werden.     Ein wenig Geschicklichkeit benötigt man allerdings bei der Reinigung des Geschiebes.                                                         

Den besten Komfort bieten Implantate. Es sind künstliche Wurzeln, welche in den Knochen eingesetzt werden. Auf den Implantaten kann nahezu jeder Zahnersatz (herausnehmbar = Prothesen oder festsitzend = Kronen, Brücken) hergestellt werden. Überdimensionierte Konstruktionen sollten vermieden werden!                                                                                

Ich habe nur 3 Beispiele aus den diversen Zahnersatzmöglichkeiten herausgegriffen. Wie eine Zahnersatzlösung bei einem Diabetiker aussehen kann, muss im Vorfeld der Behandlung sorgfältig abgeklärt werden. Neben den oben genannten Kriterien muss auf die Fingerfertigkeit des Patienten geachtet werden. Liegt zB. eine (altersbedingt) Muskelschwäche oder ein Parkinson vor, ist diffiziler Zahnersatz nicht angezeigt. Auch die Sehschärfe des Patienten ist zu berücksichtigen. Eine weitere nicht zu unterschätzende Rolle spielen der Anspruch und die finanzielle Situation des Patienten. Diese wichtigen Parameter müssen zu Beginn einer Behandlung zwischen Zahnarzt und Patient vertrauensvoll besprochen werden. Nur so gelingt ein neuer Zahnersatz und schafft Freude auf beiden Seiten.                                                                                   

Das Motto des Weltdiabetestages 2017 lautete: „Diabetes – beweg(t) dein Leben!“. Ein optimal gefertigter und gepflegter Zahnersatz sollte sich jedoch NICHT bewegen.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 2 Ausgabe 2018

Grippewelle und Hygienemaßnahmen

Auf diese Invasion waren wir nicht vorbereitet! Deutschland wurde überrollt und vor den Toren Berlins machte die Einwanderungswelle leider auch keinen Halt. Seit Wochen grassierte die Influenza-Epidemie und ein Ende war noch nicht abzusehen. 46.500 Menschen in den Bundesländern waren labordiagnostisch an der echten Grippe (Influenza Virus) erkrankt, welche mit hohem Fieber und Schmerzen einhergeht. Die Influenza muss von einem mehr oder weniger harmlosen grippalen Infekt (bakterielle Erreger) unterschieden werden. Die Gesamtahlen der Erkrankungen 2017/2018 waren in Deutschland so hoch wie noch nie. Das belegen Aufzeichnungen der AGI (Arbeits-Gemeinschaft Influenza), welche im Jahr 1992 ins Leben gerufen wurde. Insgesamt waren mehr als vier Millionen Menschen von der Grippewelle betroffen. Viele Arbeitsausfälle und Krankschreibungen waren das traurige Ergebnis.

Haben wir überhaupt eine Chance den Grippeviren zu entkommen? Was können wir vorbeugend unternehmen, um das Ansteckungspotential so gering wie möglich zu halten? Welche Rolle spielt die Hygiene dabei? Was kann jeder einzelne von uns tun?

Als Zahnärztin weiß ich natürlich um die Einhaltung der Hygienevorschriften, welche in einer Arztpraxis vom RKI (Robert Koch Institut) verlangt werden. Die Patienten erwarteten es ohnehin. Sie können darauf vertrauen, dass Ärzte sich auf dem Gebiet der Infektiologie und Hygiene stets fortbilden. Es gehört zum geforderten Qualitäts-Management einer Arztpraxis. In der Mundhöhle befinden sich mehrere Millionen unterschiedlicher Keime und Zahnärzte müssen sich tagtäglich mit der Hygiene auseinandersetzen. Deshalb tragen sie Handschuhe, um sich, das Team und die Patienten zu schützen.

Ich frage mich seit langem, wie Hygienevorschriften in der Nahrungsmittelindustrie aussehen und wie diese in den unterschiedlichen Bereichen eingehalten werden? Hier meine ich im Besonderen Bäckereien und Fleischereien, die mit Frischware umgehen. Mein Steak kann ich abwaschen und anschließend braten. Wie sieht es mit Wurstwaren oder den duftenden Broten und Bötchen aus, welche mich aus den gut bestückten Regalen regelrecht anlachen? „KAUF MICH“

Wenn ein infizierter Kunde oder Verkäufer niest oder hustet, herrscht Ansteckungsgefahr. Die Tröpfchen-Invasion hat begonnen und unzählige Keime schießen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60km/h aus der Mundhöhle. Wo sie landen, kann sich jeder Leser wohl selber ausmalen. Deshalb ein Tipp an Verkäufer und Verbraucher gleichermaßen. Wenn kein frisches Taschentuch zur Hand ist, dann bitte in die Armbeuge nießen, damit der Ausbreitungsgrad der Erreger klein gehalten wird.

Ein weiteres Infektionsrisiko sind die Hände. Buchstäblich Panikattacken bekomme ich, wenn Brote oder Brötchen immer noch ohne Handschuhe oder Benutzung andere Hilfsmittel vom Bedienungspersonal in die Tüte wandern. Interessiert mich eine bestimmte Brotsorte, beobachte ich folgendes. Das besagte Brot wird angefasst, umgewendet und zurückgelegt, falls mir eine Zutat nicht zusagt. Das nächste Brot wartet schon auf die „zärtliche“ Berührung der Verkäuferin. Nebenbei wird Geld kassiert oder eine Bestellung mit dem bereitliegenden Bleistift notiert. Zwischendurch ein diskretes Kratzen am Kopf. Die verrutschte Brille wird passgenau wieder auf die Nase gerückt. Es sind unbewusste Handlungen und geschehen mehrmals in der Minute. Diese Tätigkeiten (ich könnte die Liste erweitern) passieren gewohnheitsmäßig, hinterlassen jedoch jedesmal Spuren an den Händen. Dafür erhalten die Kunden einen zusätzlichen Keim-Cocktail mit der Ware – gratis, versteht sich von selbst. Gefällt Ihnen das?

Ohne Handschuhe in dieser Branche zu arbeiten ist inakzeptabel – an Selbstbedienungsregalen ist Analoges zu beobachten.

Nach einer „handverlesenen“ Brotberatung bedanke ich mich höflich dafür und verlasse das Geschäft - ohne den Einkauf getätigt zu haben. Doch vorher mache ich die betreffende Person darauf aufmerksam. Was ich nun alles zu hören bekomme, grenzt an ein Possenspiel. „In den Handschuhen schwitzen meine Hände; Händedesinfektion schadet nur meine Haut; es muss doch schnell gehen, der nächste Kunde wartet ungeduldig…. Manchmal nehme ich wahr, dass mit Handschuhen vorbildlich gearbeitet wird. Dann passiert dem ungeachtet folgendes. Das Wechselgeld erfährt ebenfalls eine Berührung mit den Handschuhen und der nächste Kunde wird bedient usw. Einige Bäckereien haben sowohl für die Warenausgabe als auch zum Kassieren eine Angestellte. Da hat man doch ein gutes Gefühl. Was hinter den Kulissen passiert, entzieht sich meiner Kenntnis und ich möchte darüber nicht spekulieren. Über die beliebten Kochshows verliere ich lieber auch kein Wort.                                 

Wir alle tragen eine Mitverantwortung!

Mit einfachen Maßnahmen kann man das Ansteckungspotential wirkungsvoll verringern.

1: Bei einem freundlichen Händeschütteln können Keime übertragen werden. Deshalb gilt regelmäßiges und richtiges Händewaschen als eine krankheitsverhütende Maßnahme - nicht nur zur Grippezeit.

a.         Mindestens 20sec. lang die Hände waschen.

b.         Handflächen, Handrücken und Fingerzwischenräume bearbeiten (Fingernägel nicht vergessen)

c.         Reinigung mit Wasser und pH-neutraler Seife ist ausreichend.

d.         Mit einem trocknen, sauberen, persönlichem Handtuch die Hände abtrocknen und regelmäßig wechseln.

e.         Pflegeprodukte benutzen, um ein Schutzschild aufzubauen und die Hände zu pflegen.

2:Türklinken sind hervorragende Bakterien/Virenüberträger. Täglich desinfizieren.

3:Eventuell mit Mundschutz arbeiten. In Japan ist es üblich bei Ansteckungsgefahr (auch bei Smog) einen Mundschutz zu tragen. Es ist dort ein Akt der Höflichkeit und sozialer Verantwortung. Das eigene Bemühen den Anderen nicht anzustecken. Aus ästhetischen Gründen hat sich der Gebrauch in Europa noch nicht durchgesetzt.

4:Nach einer überstandenen Erkältung sollte auf jedem Fall die Zahnbürste gewechselt werden. Zwischen den einzelnen Borsten haften Keime. Diese können zu einer erneuten Ansteckung führen! Diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen.

Wir alle sind gefordert hygienische Missstände in öffentlichen Bereichen aufzuzeigen. Es dient dem eigenen Schutz und dem Schutz unserer Mitmenschen.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 3 Ausgabe 2018

Von technikbegeisterten Schülerinnen zur modernen Kranken.-und Altenpflege                                      

Ein Appell an die Politik

Über grundlegende Verbesserungen in der ambulanten Pflege, in den Pflegeeinrichtungen und in der Kranken.- und Altenpflegeausbildung wird seit Jahren diskutiert. Zähfliesende Debatten brachten bisher keinen Fortschritt für die Pflegebedürftigen, währenddessen der demografische Wandel rasant zunimmt. Jens Spahn (CDU), der neu gewählte Gesundheitsminister hat ein Milliardenpaket für diese Personengruppe geschnürt, um u.a. den Personalnotstand in Alteneinrichtungen zu verbessern. Es sollen 13.000 Stellen zum 01.01.2019 neu geschaffen werden. Zunächst eine beträchtliche Zahl. Bedenkt man aber, dass im Moment bereits 35.000 Stellen als Sofortlösung benötigt werden und in nächster Zukunft von bis zu 100.000 benötigter Arbeitsplätze die Rede ist, dann bedeuten diese 13.000 Stellen einen Tropfen auf den heißen Stein.                                     

Kann überhaupt und wenn ja, wie kann der Arbeitskräftemangel gelöst werden. Dazu haben sich 4 Schülerinnen und ein Schüler der Anna Seghers Schule aus Adlershof Gedanken gemacht. Sie nennen sich Berlin Eagles. Seit 9 Jahren befassen sie sich mit dem Design und der Konstruktion von Robotern und hauchen ihnen sozusagen „Leben“ ein. Die programmierten Roboter sollen komplexe Abläufe erfassen und selbstständig mit ihren „ Kollegen“ und dem Pflegepersonal zusammenarbeiten.                                                                                                                                                                   

Die alljährlich neu geschaffenen Konstruktionen verpacken sie in eine Handlung und simulieren eine Alltagssituation. Diese präsentieren sie in einer Live-Demonstration im In.-und Ausland. Ein Mitglied aus dem Team stellt dem Publikum die berechtigte Frage:  Wieso benötigt man einen Roboter in der Pflege und welche Aufgaben soll er übernehmen? Eine nachgestellte Notfallsituation bei der Krankenpflege kann das Publikum verfolgen. Ausversehen wird beim Reinigen des Zimmers ein Schlauch aus der Beatmungsmaschine gezogen und das Unglück nimmt seinen Lauf. Auf dem angeschlossenen Monitor, der neben dem Krankenbett platziert ist, erscheint sofort die Fehlermeldung und der Roboter schreitet postwendend ein. Er behält einen kühlen Kopf, hat keine Angst vor Entscheidungen, überblickt das Geschehen und greift ein, um ein Menschenleben zu retten. Roboter sollen nicht die menschliche Pflege übernehmen, sondern hilfreich in Ausnahmesituationen und im Praxisalltag dem Personal zur Seite stehen.                                                              

Für die moderne, technikinteressierte Generation stellt der Umgang mit Computern und Robotern keine Herausforderungen dar. Für die jetzige Generation der Großeltern gewiss – sie sind nicht damit aufgewachsen und stehen der Technik skeptisch, mitunter ängstlich gegenüber. Veränderungen können extreme Belastungen darstellen, werden kritisch beäugt und häufig abgelehnt. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Einstellung zur Arbeitswelt und die Nutzbarmachung technischer Möglichkeiten.                                                                                                                        

Ich finde es interessant, wie sich junge Menschen mit zeitgemäßen, politisch brisanten Themen (Fachkräftemangel in der Pflege) auseinandersetzen. Es sind eigene Erlebnisse aus dem Familienkreis und Praktika in Senioreneinrichtungen, die in ihre Arbeit einfließen. Sie entwickeln richtungsweisende Ideen mit klaren Zielvorgaben – Helfen, Unterstützen, Zusammenarbeiten. Roboter haben (noch) keine Gefühle, rufen trotzdem Emotionen hervor und sind nicht mehr nur gesichtslose Technikteile, wie sie in frühen Science-Fiction-Filmen dargestellt wurden. Die Grenzen zwischen Utopie und Wirklichkeit verlieren sich. In der Industrie sind Roboter seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Im Alltag, als Arzthelfer oder Altenpfleger erobern sie momentan die große, wie auch die kleine Welt.                                                                       

In Magdeburg, bei der diesjährigen deutschen RoboCup Meisterschaft (größter Wettbewerb für intelligente Roboter in Forschung und Ausbildung), stellten die Schüler gemeinsam mit Ihrer Teamleiterin Sabine Krause und dem technischen Leiter Frank Splitt das aktuelle Roboter-Programm vor. Damit qualifizierten sie sich für die Weltmeisterschaft in Kanada und fahren am 14.06.2018 nach Montreal, um mit anderen internationalen Teams sich zu messen. Bereits 2010 in Singapur und 2012 in Mexiko gewannen sie im Teamwettbewerb schon einmal diese Weltmeisterschaften und 2016 belegten sie den 3. Platz bei der Einzelwertung. Grenzenlose Unterstützung - nicht nur bei den Vorbereitungen zur WM - erhalten sie von ihren Eltern und sogar von den Großeltern. Ohne diese (auch finanzielle) Hilfe könnte das Team die Reise nach Kanada nicht antreten. Das Seniorenmagazin wünscht ihnen eine gute Reise, interessante Gespräche und viel Erfolg bei der Präsentation.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 4 Ausgabe 2018

Krebs – Mundhygiene – Lebensqualität

Die Diagnose Brustkrebs kommt plötzlich, unerwartet und die Welt verändert sich von einer Sekunde auf die andere schlagartig für betroffene Frauen. Jetzt heißt es einen kühlen Kopf bewahren, um mit den verantwortlichen Ärzten gemeinsam ein individuelles Therapiekonzept zu entwickeln. Viele Fragen gilt es im Vorfeld einer Behandlung zu beantworten. Welche Methode ist für mich persönlich die beste? Wie sieht es mit den zu erwartenden Nebenwirkungen aus und was kann man vorbeugend unternehmen, um unangenehme Begleiterscheinungen zu minimieren und zu lindern? Das sind nur zwei Fragestellungen dazu.                                                                                                          

Dem Zahnarzt fällt bei einer Krebsbehandlung eine wichtige Rolle zu, denn viele Begleiterscheinungen spiegeln sich insbesondere im Mund wieder. Eine Medikamententherapie führt in den meisten Fällen zu Beschwerden in Mund- und Rachenraum und ist gekennzeichnet von Mundtrockenheit, Heiserkeit oder einem Brennen an den Schleimhäuten. Die Mundschleimhaut ist eingerissen, ulzerös verändert und mit unangenehmen Wundheilungsstörungen verbunden. Krankheitserreger haben jetzt leichtes Spiel und gelangen über die geschädigte Schleimhaut in die Blutbahn. Daraus resultieren zusätzliche belastende Unannehmlichkeiten. Ebenfalls können Schluckbeschwerden auftreten. Die Patienten verlieren den Appetit am Essen, was wiederum zu einer Unterversorgung mit Vitaminen, Spurenelemente und Ballaststoffe führen kann. Alle Symptome schränken die Lebensqualität enorm ein.                                                                                          

Eine Strahlentherapie erfolgt häufig im Anschluss einer Operation und zieht sich über mehrere Wochen hin. Die einzelnen Sitzungen werden vorwiegend ambulant durchgeführt, dauern nur wenige Minuten und sind nicht schmerzhaft. Nur die Umgebung der Haut ist leicht gereizt und gerötet. Diese Merkmale verblassen meistens mit der Zeit. Bestrahlungen im Kopf-und Halsbereich haben Folgen auf die Speicheldrüsen und die Mundgesundheit. Eine speziell angefertigte Zahnschiene sollte während der Behandlung über die Zahnreihe geschoben werde, um die Zähne und das umgebene Zahnfleisch zu schützen.                                                                                                                                    

Bei einer Chemotherapie werden die Krebszellen zerstört. Allerdings werden auch gesunde Zellen vernichtet. Besonders zu beobachten an den Haaren, da die Haarwurzeln angegriffen werden und die Haare ausfallen. Magen-Darm-Beschwerden rangieren ebenfalls ganz oben in der Liste der Nebenwirkungen. Die Betroffenen berichten über Übelkeit mit Erbrechen. Der erbrochene saure Mageninhalt reizt permanent die Zahnhartsubstanz, was zu Karies führt. Wer hier eine übertrieben Mundhygiene an den Tag legt, schadet nur den Zähnen, denn die Säure muss zunächst neutralisiert werden. Deshalb reicht ein kräftiges Ausspülen des Mundes mit Wasser (gegeben falls mit alkoholfreien Mundspülungen) für den ersten Moment aus. Nach einer guten halben Stunde kann eine gründliche Zahnpflege mit Reinigung der Zahnzwischenräume durchgeführt werden.                      

Bei einer Bisphosphonattherapie (wird auch in der Osteoporose-Behandlung angewendet) kann es in seltenen Fällen zu einer sogenannten Kieferosteonekrose kommen - der Kieferknochen wird in unterschiedlichem Ausmaß zerstört. Mangelnde Zahnhygiene verschlechtert den Zustand zusätzlich und führt letztendlich zum Zahnverlust. Selbst Jahre später können Wundheilungsstörungen zB. nach Zahnentfernungen auftreten. Deshalb muss der behandelnde Zahnarzt in Kenntnis gesetzt werden.              Die Organe des Verdauungstraktes – beginnend im Mund und endet beim After - sind mit Schleimhaut überzogen. Bei einer Krebstherapie mit Medikamenten werden die Schleimhäute der Verdauungsorgane angegriffen und die gesunde Darmflora (Gesamtheit aller Bakterien im Darm) verändert sich, wird größtenteils zerstört. Schädliche Mikroorganismen nehmen überhand und verdrängen die förderlichen Darmbakterien – somit verändert sich das Milieu im Darm. Es gerät aus dem Gleichgewicht. Heutzutage weis man, dass das Immunsystem bis zu 80% im Darm sitzt. Infolgedessen hat eine gesunde Darmflora Einfluss auf die physische (körperliche) Gesundheit. Ebenso auf das mentale Wohlbefinden! Deshalb ist es wichtig die Darmschleimhaut zu schützen. Einfache Abhilfe bieten Probiotischen Kulturenohne Zuckerzusätze und Konservierungsstoffe - an, um Nebenwirkungen vorzubeugen, zu reduzieren und eine gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. 

Wie kann man Entzündungen der Mundhöhle vorbeugen? 

1. Zahnarztbesuch vor Therapiebeginn, um Infektionsquellen auszuschließen.                                                   

2. Gute Mundhygiene mit weichen Zahnbürsten und milden Zahnpasten durchführen.                                      

3. Zum Schutz der Schleimhäute glyzerinhaltige oder dexpanthenolhaltige Lutschtabletten lutschen.

4. Die Lippen mit fetthaltigen Cremes pflegen – ohne Parabene und Silikone.                                                           

5. Auf schleimhautreizende Speisen und Getränke (Zucker-säurehaltig) verzichten.                                             

6. Nikotin und Alkohol entsagen.                                                                                                                                   

7. Spülungen oder Gele mit lokal wirksamen Schmerzmitteln mehrmals täglich anwenden.                        

8. Bei Mundtrockenheit schluckweise trinken, mit sog. „künstlicher Speichel“ den Mund befeuchten. Gute naturheilkundliche Begleiter sind: Salbei, Schafgarbe, Myrrhe, Calendula, Kamille (führt zu Trockenheit bei Daueranwendung!) Auf alkoholfreie Mundspülungen achten.                                           

9. Interdisziplinäre Nachsorge  - zum Wohle unserer gemeinsamen Patienten



Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 5 Ausgabe 2018

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 6 Ausgabe 2018