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Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 1-6 2017

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 1 Ausgabe 2017

Zahnersatz und die Tücken des Alltags

Des Öfteren werde ich ungewollt Zuhörer, wenn an Nachbartischen in Restaurants oder in öffentlichen Verkehrsmitteln über Probleme mit den Dritten gesprochen wird. Deshalb nehme ich den Leserbrief vom November 2016 ebenfalls gerne zum Anlass, um über Zahnersatz und die damit verbundenen Folgen, oftmals mit unbefriedigtem Ergebnis für alle Mitwirkenden, zu schreiben. Es ist ein schwieriges Thema, weil sehr viele Aspekte zu berücksichtigen sind.

Wenn es um Zahnersatz geht, wird häufig nur über Vollprothesen oder Teilprothesen (einige Zähne sind noch vorhanden) gesprochen. 

In den Kriegs-und Nachkriegsjahren war eine vollwertige Ernährung nicht gewährleistet und die Zahngesundheit besaß noch keinen hohen Stellenwert. Deshalb sind aus heutiger Sicht deutlich mehr ältere Menschen (~86% in Senioreneinrichtungen) von Zahnlosigkeit betroffen. Glücklich sind die Betroffenen größtenteils nicht mit ihrem Zahnersatz. Entweder drückt die alte/neue Prothese oder verrutscht so wohl beim Essen als auch beim Sprechen. Eine peinliche und schamvolle Situation für die Leidtragenden. Die Folgen unzureichend sitzender Prothesen sind u.a.:

·         Die Kauleistung sinkt und somit findet eine unvollständige Verdauung der Kohlehydrate im Mund statt.

·         Eine Mangelernährung tritt ein, da das Kauen oftmals erschwert ist oder wegen vorhandener Schmerzen vermieden wird.

·      Eine schlechte Aussprache auf der Seite der Betroffenen und Verständnislosigkeit bei den Zuhörern. Eine eingeschränkte    Kommunikation ist häufig das traurige Ergebnis.

·         Rückzug und Vereinsamung sind nicht selten die Folge mangelhaften Zahnersatzes!

Zahnärzte und Zahntechniker sind maßgeblich für den guten Sitz einer Prothese zuständig. Die Hauptverantwortung liegt bei den Zahnärzten. Sie entscheiden nach sorgfältiger Prüfung und Aufklärung (dazu zählt: Zahnstatus, wie ist das Knochenangebot, besteht eine chronische Zahnfleischentzündung, wie ist das Mundhygieneverhalten und das Alter des Patienten …), welcher Zahnersatz in Frage kommt. Vorstellungen der Patienten sollen in die Planung einfließen, können mitunter aus zahnmedizinischer oder zahntechnischer Sicht oftmals nicht realisiert werden. Wenn ein Zahnarzt sich wieder besseren Wissens auf Patientenwünsche einlässt, um ihn z.B. nicht zu verlieren, ist das Chaos vorprogrammiert. Wie bei einem Hausbau muss das Fundament (Zahnhalteapparat) für die Anfertigung einer Prothese geeignet sein, um einen stabilen Sitz zu gewährleisten. Die sogenannte Abformung der vorhandenen Zahn- und Mundsituation erfordert vom Zahnarzt Konzentration. Auf der individuell abgeformten Situation erstellt der Zahntechniker ein Modell, auf dem er später arbeitet. Er kann nur eine passgenaue Arbeit ausführen, wenn die Abformung fehlerfrei ist. Selbstverständlich muss der Zahntechniker bei den einzelnen Arbeitsschritten große Aufmerksamkeit aufbringen, um Fehler zu vermeiden. Die wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker ist Grundvoraussetzung für das Gelingen jeden Zahnersatzes.

Desgleichen ist die finanzielle Investition bei der Planung zu berücksichtigen. Hier spielen die unterschiedlichen Ansprüche (ästhetisches Bewusstsein, Wohlfühlfaktor, Wertigkeit der Zähne, finanzielle Situation) der Patienten eine Rolle. Je aufwendiger, komplizierter und ästhetischer der Zahnersatz ist, desto kostspieliger ist er. Eine zahnfarbende Keramik-Krone ist im Vergleich zu einer Metallkrone kostenintensiver, da sowohl der zahnärztliche als auch der zahntechnische Aufwand höher zu bewerten ist. Bei Metalllegierungen (in einer Legierungen sind verschieden Metalle enthalten) kann der Patient zwischen einer silberfarbenen oder goldfarbenen Variante wählen. Je mehr Gold eine Legierung enthält, desto höher ist auch der Preis.

Wird ferner noch eine Kiefergelenksbestimmung (wie stehen die Zähne zum Kiefergelenk) durgeführt, erhöht sich der Preis zusätzlich, da diese eine private Leistung ist. In meinen Augen ist es ein sehr wichtiger Arbeitsschritt, der wegen hoher Kosten vom Zahnarzt häufig nicht angeboten oder von Patienten abgelehnt wird. Leider ist diese Leistung kein Bestandteil des Krankenkassen-Kataloges. Wir könnten lange darüber diskutieren ob und in wie weit bestimmte Leistungen wirtschaftlich sind (Forderung der Kassen!), solange die GKV den Sinn dieser Leistung nicht anerkennt, gib es auch keinen Zuschuss.

Wo könnte man noch Einsparungen vornehmen? Natürlich bei den Lohnkosten des Labors. Hier geraten zahntechnische Leistungen aus der Türkei und Fernost ins Visier. Die ausländischen zahntechnischen Labore erhalten die Aufträge über ein deutsches Labor, mit welchem der Zahnarzt arbeitet. Sie müssen sich nach den Vorgaben des Zahnarztes richten! Minderwertige Ware oder Schrottarbeiten (häufig in Medien lesbar) kann es somit nicht geben. Natürlich gibt es auch vereinzelt schwarze Schafe unter ihnen. Patienten haben ein Mitspracherecht und müssen im Vorfeld einverstanden damit sein, dass ihre Arbeit ins Ausland geschickt wird. Endkontrollen sind immer in Deutschland und unterliegen deutschen Qualitätstandards. Bei totalen Prothesen (Vollprothesen) würde ich allerdings davon abraten diesen Weg zu gehen, denn häufig muss der Zahntechniker vor Ort direkter Ansprechpartner sein, um eventuelle Korrekturen schnell ausführen zu können.

Zum Schluss noch ein Gedanke, der zur Langlebigkeit eines Zahnersatzes beiträgt. Bei ungenügender Mundhygiene, oftmals durch verlorengegangene kognitive Fähigkeiten oder durch eine Demenzerkrankung hervorgerufen, ist aufwendiger, komplizierter Zahnersatz nicht angezeigt. Die einfache Handhabung für Patienten, Angehörige oder Pflegepersonal sollten hier den Ausschlag für die Wahl des neuen Zahnersatzes geben.                                       

Die Prävention bei der Zahngesundheit hat in den letzten Jahrzehnten einen neuen, höheren Stellenwert erhalten und so sind glücklicher Weise nicht alle ältere Menschen von Zahnlosigkeit betroffen.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 2 Ausgabe 2017

(Zahn-) Schönheitsideale und Rituale anderer Kulturen

Ein makelloser Körper, volle Lippen und weiße Zähne sind längst zu einem Statussymbol unserer Gesellschaft geworden und vermitteln ein Gefühl von Selbstsicherheit. Doch was in der westlichen Welt als schön eingestuft wird, galt/gilt in anderen Kulturen als unschön.        

< Die Afrikanerinnen zeigen gerne einen ausladenden Po. Sie schlucken sogar bedenkenlos Pillen, um ihr Hinterteil zu vergrößern. Dies gilt in Afrika als Ausdruck von Wohlstand.                                                                                                                                          

< In Brasilien sind kleine Brüste ein Schönheitszeichen. Dort findet man einen üppigen Busen ordinär und ist für die ärmere Gesellschaft charakteristisch.                                                                                                                                                                   

< Die Japanerinnen träumen von einer hellen Haut. Es ist ein Zeichen der Privilegierten und gilt als vornehm zugleich.                                                                                                                                                                                                    

< In den modernen Industriestaaten gehören jugendliche, schlanke Körper mit sinnlichen Brüsten, leicht gebräuntem Teint und schneeweißen Zähnen zum momentanen Schönheits-ideal. Die Werbung hält es uns täglich vor Augen, und somit werden Senioren meist nur auf schlecht sitzende Prothesen, Haftcreme, sowie Falten und graue Haare reduziert.                              

Schönheitsempfinden und Rituale rund um den Mund und die Zähne.

Lippenpflock und Tellerlippen (in die Unterlippe eingesetzte Stäbe und Scheiben) gehören zu den Schönheitssymbolen verschiedener afrikanischer und amerikanischer Ethnien. Der/die Trägerin genießt hohes Ansehen. Um einen Lippenpflog zu setzen, werden die zwei unteren mittleren Frontzähne schon den Kindern ausgeschlagen! Zahnfeilungen sind Schmuck bei den Völkern der ostasiatischen Inseln und werden ferner aus religiösen Gründen durchgeführt. Bestimmte Zahnfeilungen dienen der Zugehörigkeit eines Stammes oder sind Ausdruck einer oberen Klassenzugehörigkeit. Zähne ausbrechen, waren in Polynesien ein Merkmal der Trauer. Im frühbäuerlichen Mittelmeerraum gab es ebenso rituelle Zahnentfernungen. Wie diese Prozeduren ausgeführt wurden, möchte ich nicht näher ausmalen – Gänsehaut pur. Diese Zahnentfernungen hatten einen Sinn: Schaffung von Frontzahnlücken, um eine Nahrungsaufnahme bei einer Tetanusinfektion (Wundstarr-krampf) zu ermöglichen. Dem kann ich eine gewisse Logik nicht absprechen.                                                                                                                                                                                              

Zähne bemalen, in ihrer Form verändern, galten als schick, “ in“ sozusagenwir sehen es im heutigen Straßenbild in Gestalt eines „Brillis“ oder Tattoos an manchen oberen Frontzähnen. Gold - dünngewalztes Blattgold - benutzen schon 1000 v. Chr. die Chinesen als Zahnfüllungs-material, das in die Zahnlöcher gestampft wurde. Ebenso diente es zu dekorativen Zwecken. Das Schwärzen von Zähnen war bei verheirateten Frauen üblich. Es war das Symbol ehelicher Treue. Bei einigen Stämmen galten schwarze Zähne als erotisch, da es den Kontrast zur weißen Gesichtshaut erhöhte. Wir hingegen lieben weise Zähne. Vor Menschen mit dunklen (meist verfaulten) Zähnen wenden wir uns eher ab.                                                                                                                                 

Erinnern Sie sich noch an das Webeplakat „Mut zur Lücke“? Der Sinn dahinter: Kaum jemand kann sich in der Zukunft einen Zahnersatz (mehr) leisten. … d.h. Absturz in die 2 Klassen-medizin! Zähne, aber auch Prothesen und die damit beabsichtigten Werbeaussagen dienen zur Durchsetzung politischer Ziele, und werden meist auf dem Rücken der Geringverdiener und älterer Menschen ausgetragen.                                                                                                      

Ob es sich um Rituale, Schmuckwerke oder doch Gesundheitsmaßnahmen handelte, Zähne waren und sind bis heute ein Ausdruck des Zeitgeistes einer Epoche. Wir müssen nicht jedes Schönheitsideal imitieren, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu erlangen. Zahnarzt-kontrollen, persönliche Mundhygiene und gesunde Ernährung sind Garanten für gepflegte Zähne. Für jeden Anspruch und Geldbeutel wird es hoffentlich immer eine praktikable Lösung bei Zahnverlust geben. Wer dann noch den Mut hat zur Lücke hat, will anders sein.

Fazit: Schön ist, wer sich schön findet - auch entgegen aller Schönheitsideale.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 3 Ausgabe 2017

Zitate rund um die Zähne und ihre psychologische Bedeutung

An jedem Zahn hängt ein Mensch: Auswirkungen eines Zahnes – ob mechanisch oder chemisch - auf den Menschen, seine Organe und ebenso auf seine Psyche. Ganzheitlich arbeitende Zahnärzte/innen arbeiten nach dieser Regel und wissen um die Bedeutung des Sprichwortes.

Auf einem Problem herum kauen: Man kaut buchstäblich auf einem Problem herum, um eine Lösung zu finden. Wiederkehrende Gedanken kreisen ständig im Geist, meistens nachts, mit der Folge, dass die Zähne abgekaut werden, was zu einem Verlust der Bisshöhe führt. Diese Abnutzung der Zähne wirkt sich negativ auf das Kiefergelenk und die Wirbelsäule aus.Schmerzen sind die Folge und der Zusammenhang mit den Zähnen wird nicht mehr gesehen.

Auf dem Zahnfleisch gehen: Synonym für „am Ende seiner Kräfte sein“, man ist erschöpft, energielos, nichts geht mehr, man hat keinen Spaß mehr, ist ausgebrannt. Das ist ein guter Nährboden für Depressionen mit schwellender Enddiagnose: Burnout.            

Gut gekaut, ist halb verdaut: Meine Eltern ermahnten mich ständig während des Essen daran. Als Zahnärztin weiß ich schon längst, warum es wichtig ist die Speisen gut zu kauen. 1.Anregung der Speicheldrüsen. Sie erhöhen den Speichelfluss, damit die Nahrung gut durchmischt wird und besser in den Magen rutschen kann. 2. Die Kohlenhydratverdauung fängt im Mund an. Die nachfolgenden Organe übernehmen andere Funktionen (Fett-und Eiweißverdauung). 3. Das Gehirn erhält ein Signal und stellt sich auf die entsprechende Bereitstellung von Enzymen, Hormone ein, welche für die Verdauung benötigt werden. 4. Bei ungenügendem Kauen steht dem Körper weniger Nährstoffe zur Verfügung, ergo weniger Energie. 5. Der Geschmack kann sich nicht so recht einstellen, da die Aufspaltung der Nahrung fehlt. Kauen Sie bitte mal ein Stück Brot langsam und genüsslich. Wie schmeckt es dann? 6. Das Essen liegt schwer im Magen (siehe Max & Moritz) und ein ungenügender Stuhlgang lässt grüßen.        7. Man isst weniger; ein einfaches, kostengünstiges Diätrezept.

Weitere interessante Zitate: Jemand hat „Haare auf den Zähnen“.Die Person ist rechthaberisch, cholerisch, schroff, schwer umgänglich ...bezieht sich meistens auf Frauen. -          „Mit den Zähnen klappern“, weil man friert oder Angst hat. -          „Einen Zahn zulegen“ bedeutet sich zu beeilen, das Tempo steigern; erwartet man häufig von Senioren, aber auch von Müttern mit Kindern, wenn sie die Straße überqueren. -          „Jemandem auf den Zahn fühlen“: etwas genauer prüfen, die Person ausfragen, aushorchen; bei Prüfungen gerne von Professoren gemacht,man bringt den Prüfling oftmals zur Weißglut. Der kaut dann auf dem Thema herum.

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 4 Ausgabe 2017

Zitate rund um den Mund und ihre psychologische Bedeutung

Der Mund ist Teil des Kopfes, dient der Nahrungsaufnahme und bildet den obersten Teil des Verdauungstrakts. Er unterstützt ebenfalls die Atmung. Gesund beginnt im Mund, wer kennt diesen Ausspruch nicht. Menschen, die hauptsächlich durch den Mund atmen, leiden an Mundtrockenheit und diese führt zu einer erhöhten Karies-Prävalenz und Mundgeruch. Zusätzlich dient er beim Menschen zur Stimmerzeugung (Phonetik) und somit zur Kommunikation. In manchen Situationen wäre es besser zu schweigen – Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - oder vorab nachzudenken. Einige Politiker sollten über manche nachfolgende Zitate nachdenken.

Kein Blatt vor den Mund nehmen - ohne zu zögern seine Meinung sagen, schonungslos sein,ohne Beschönigung reden, etwas direkt aussprechen, auch wenn es unangenehm ist. Diese Personen haben gelegentlich ein Brett vor dem Kopf. Orson Wells meinte einmal dazu - Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun. Oscare Wilde drückte es so aus - Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. Morgenstunden hat Gold im Mund - wer morgens früh aufsteht (Lerchen-Typ), arbeitet oder studiert besser, hat mehr vom Tag, erreicht mehr.Anders betrachtet:  Menschen finden morgens nur schwer aus dem Bett (Eulen-Typ). Ergänzendes Zitatende: wer länger schläft, bleibt auch gesund.

Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul bedeutet sinngemäß, dass man an einem Geschenk nicht herummäkeln sollte, ja sogar Dankbarkeit zeigen sollte. Dieses fällt oft schwer. Ob diese Einstellung richtig ist, sei mal dahin gestellt. Ein Bauer würde aber niemals ein Pferd im Sack kaufen ohne das Gebiss vorher begutachtet zu haben. Zähne lassen auf den Gesundheitszustand des Pferdes (Parodontitis, Karies, Mundgeruch) schließen. Beim nächsten Zitat wäre Mundgeruch nämlich nicht dienlich.

Joachim Fuchsberger hat seine eigene Betrachtungsweise zum Mund - Ein Kuss ist Mund-zu-Mundbeatmung ohne medizinischen Anlass. Er weckt die Lebensgeister sozusagen, wie auch Schneewittchen vor langer Zeit erfahren hat.

Barbara Streisand hat  gewiss Kusserfahrungen gemacht und weiß, wovon sie spricht - Heutzutage gilt ein Mann schon als Gentleman, wenn er die Zigarette aus dem Mund nimmt, bevor er eine Frauküsst. Damals war wohl alles besser, wusste schon meine Mutter. Oder?          

Manchmal wäre es segensreich einigen Menschen einen Maulkorb anzulegen. Bei Heinrich Heine wäre es ganz bestimmt eine Sünde. „Wenn ich in deine Augen seh‘, so schwindet all‘ mein Leid und Weh; doch wenn ich küsse deinen Mund, so werd‘ ich ganz und gar gesund.“ ….      

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wunderbare Adventszeit und nehmen Sie den Mund – mit Zimtsternen und kalorienreichem Weihnachtsgebäck – nicht so voll. Dazu passt das letzte Zitat von Friedrich Nitzsche - Du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Kopfeessen, damit dich nicht die Naschhaftigkeit des Mundes zugrunde richtet. Ich werde mir das hinter die Ohren schreiben müssen!

 

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 5 Ausgabe 2017

Zitate rund um die Zunge und ihre psychologische Bedeutung

Die menschliche Zunge ist ein komplexer - aus 9 Muskeln zusammengesetzter – Muskelkörper. Bei geschlossenem Mund füllt er fast die gesamte Mundhöhle aus. Die Zunge dient in erster Linie der Nahrungsaufnahme, unterstützt den Kauvorgang, spielt eine wichtige Rolle beim Saugen und beim Schlucken. Zum Schutz vor thermischen, mechanischen oder chemischen Reizen ist sie von Schleimhaut überzogen und mit Geschmacksknospen (Papillen) ausgestattet. Diese sind die Sinnesorgane für das Tasten und Schmecken und machen die Nahrungsaufnahme (hoffentlich) zum Genuss. So schmecken wir süß an der Zungenspitze. Salzig und sauer an den Außenseiten und bitter im hinteren Bereich der Zunge. Ist sie von einem dicken, weißlichen Belag überzogen, geht erstens der Geschmack verloren und zweitens entwickeln sich übel riechende Gase. Deshalb ist es wichtig die Zunge täglich mit einem speziellen Zungenreiniger zu pflegen. Sie wird von verschiedenen Nerven auf sehr komplexe Weise durchzogen. Bei einer Betäubung der Unterkieferzähne ist oftmals die Zunge mit betäubt, da der Zungennerv eine enge Beziehung zum Zahnnerv hat. Ein gut ausgebildeter Arzt kann an der Form, der Größe und der Farbe einer Zunge den Gesundheitszustand eines Menschen erkennen. In Indien und Asien gehörte dieses zur Diagnostik, ist aber leider in Vergessenheit geraten. Sie ist unentbehrlich für die menschliche Sprachbildung und mitverantwortlich dafür, was man Sinnvolles oder Beschämendes von sich gibt. Unterschiedliche Zitate zeugen davon.                          

Mit gespaltener Zunge reden: hemmungslos lügen, um die eigenen Interessen zu verfolgen. Oftmals wäre es ratsamer die Zunge zu hüten, im Zaum zu halten. Politiker sollten deshalb auf ihre Wortwahl achten, denn denen folgen häufig erbärmliche Taten.                                                                                                 

Sich auf die Zunge beißen: sich nur mit Mühe einer charakterlosen Bemerkung entziehen, im letzten Moment noch seine ehrliche aber verletzende Meinung lieber unterdrücken.                                                           

Sein Herz auf der Zunge tragen: seine innersten Gefühle offenbaren. Ein Sprichwort aus Japan drückt es so aus: “Das Glück wohnt im Herzen, das Unglück auf der Zunge.“                                                              

Etwas auf der Zunge liegen haben:  etwas sagen wollen, das Ärger bringen könnte, man kann es gerade noch unterdrücken. Oder man sucht ein bekanntes Wort (Namen), das im Moment einem partout nicht einfällt. Nachts steht es/er dann plötzlich glasklar im Raum.                                            

Sich etwas auf der Zunge zergehen lassen: etwas genießen/auskosten – dies bezieht sich nicht nur auf das Essen, sondern man genießt eine wundervolle Musik und empfindet große Freude und Vergnügen dabei.                                                                                                                             

Eine schwere Zunge haben: entweder ist man betrunken und das Sprechen bereitet Schwierigkeiten, oder man ist ungeschickt im Umgang mit der Sprache man kann sich nicht gut ausdrücken. Beim nächsten Ausspruch ist es meistens anders.                                                                                                                  

Eine spitze Zunge haben: freche/boshafte/gemeine/beleidigen Bemerkungen machen - sticheln. So beginnt erfahrungsgemäß Mobbing. Dazu passen die folgenden Zitate ebenfalls. Washington Irving,: "Eine scharfe Zunge ist das einzige Schneidwerkzeug, das bei andauerndem Gebrauch schärfer wird.“ „Des Narren Seele tanzt immer auf der Spitze seiner Zunge.“ ist eine Überlieferung aus Arabien. Und in Spanien kennt man es so: „Die Zunge ist der Dolch aus Fleisch.“ Zum Schluss noch eine Bauernweisheit: „Die Zunge ist der Säbel im Schnabel“. Genug  des Säbelrasselns. Die Weihnachtszeit ist vorbei und ich denke, dass dieser Ausspruch von Christian Dior, obwohl medizinisch nicht ganz korrekt, jetzt gut passt:  „Essen ist eine höchst ungerechte Sache: Jeder Bissen bleibt höchstens zwei Minuten im Mund, zwei Stunden im Magen, aber drei Monate an den Hüften.“ Ich wünsche Ihnen einen guten und genussvollen Start ins neue Jahr.

Seniorenmagazin Treptow-Köpenick 6 Ausgabe 2017

Ehrenamt in der Hospiz-Arbeit

Ein offenes Gespräch mit der leitende Koordinatorin, Lydia Willing über die Gründung und Bedeutung des Ambulanten Hospizdienstes Friedrichshagen.  Dr. (H) Henny Deda

Wenn ein geliebtes Herz aufhört zu schlagen, beginnt für Hinterbliebene eine schwere Zeit. Doch schon die Zeit davor ist oftmals mit unermesslichen Nöten gepflastert. Die Sterbenden auf den Weg ins Regenbogenland zu begleiten, ist Lydia Willing`s Aufgabe. Es ist ihr ebenso eine Herzensangelegenheit. Ihr und ihren Teamkollegen Roger Lindner, Doris Bandermann und Sylvia Hörchner stehen die Ehrenamtlichen vom Ambulanten Hospizdienst Friedrichshagen zur Seite. Einen würdevollen, respektvollen Übergang für Betroffene in eine unbekannte Welt zu ermöglichen und den Angehörigen Unterstützung, Zuwendung und Kraft zu geben, ist das Hauptanliegen jeder guten Hospizarbeit. Mit viel Herzlichkeit und Offenheit, aber auch mit einem traurigen Blick schildert sie die Anfänge Ihrer Tätigkeit. Bei diesem ernsthaften Thema spüre ich ab und zu trotzdem eine Prise Humor, ohne die die tägliche Arbeit wohl unerträglich wäre.Frau Willing ist gelernte Diplomlehrerin und examinierte Pflegekraft. 2004 begann sie mit dem Aufbau eines Hospizdienstes in Friedrichshagen. Bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe erhielt sie Unterstützung von Frau Helga Walter, der damaligen Stadträtin von Berlin- Köpenick. Frau Dr. Grunwald, langjährige Geschäftsführerin der Sozialstiftung Köpenick, förderte ihre Arbeit ebenso hervorragend.

Frau Willing koordiniert gemeinsam mit ihren Kolleginnen und ihrem Kollegen die erforderlichen Aktivitäten zwischen Pflegekräften, Ehrenamtlichen, Ärzten, Krankenkassen und Angehörigen.Ich erfahre, dass man ausgewählte Netzwerke und kluge Kooperationen braucht, um in Extremfällen schnelle Hilfe leisten zu können. Ein Beispiel aus Ihrer täglichen Arbeit schildert sie: „Benötigt eine sterbende Person ein bequemeres, fachgerechtes Bett, und um den Angehörigen die Pflege zu erleichtern, sprechen wir sofort mit den entsprechenden Kooperationspartnern und schon am kommenden Tag wird das Bett geliefert. Schnell und unkompliziert!“

Frau Willing führt weiter aus, dass viele Menschen nicht wissen, wo sie Informationen und zuverlässige Auskünfte erhalten können und ob sie finanzielle Unterstützung bekämen. Sie bieten Beratungen zu dem Thema an und stehen den Betroffenen und Angehörigen einfühlsam zur Seite. Ich erfahre weiter, dass nach einem ausführlichen Gespräch die ehrenamtlichen Hospizhelfer und –Helferinnen die Aufgabe übernehmen, für Betroffene da zu sein, ob in vertrauter Umgebung, in Pflegeeinrichtungen oder im Krankenhaus.

Die freiwilligen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes stellen eine Ergänzung zu professionellen Pflegediensten dar,sie übernehmen keine Pflege. Sie gehen bei der Begleitung auf individuelle Wünsche, Sehnsüchte der Sterbenden ein.Ebenfalls stehen sie den Familien zur Seite, geben ihnen ein paar wertvolle Stunden Freizeit, damit auch sie ein wenig an sich denken können.

Wenn sich der sterbende Mensch oder die Familie für eine stationäre Hospizeinweisung entscheiden, übernehmen die Krankenkassen und die Pflegekasse 95 % der Kosten. Das entlastet die Familien enorm. Es gibt sogar die Möglichkeit, dass ein Angehöriger mit im Zimmer übernachten darf, ohne finanziellen Aufwand. Alle Zimmer sind 1-Bettzimmer und nur qualifiziertes, gut ausgebildetes Personal steht den Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite. Lydia Willing betont: „Alle Ehrenamtlichen ganz besondere Menschen sind. Sie arbeiten freiwillig und unentgeltlich. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen (Ingenieur, Arzt, Künstler, Busfahrer …) und haben unterschiedliche Beweggründe, warum sie diese anspruchsvolle Aufgabe übernehmen möchten. Eine Gemeinsamkeit besteht: Menschen in schwierigen Zeiten hilfreich zur Seite zustehen“.

Zu Beginn des Jahres 2004 meldeten sich 8 Personen auf ihre Anzeige. Heute begleiten mehr als 100 Personen die Sterbenden. Voraussetzung für die Hospizarbeit ist eine intensive Ausbildung. Qualifizierungen sind das Fundament einer guten Hospizarbeit. Miteinander und voneinander lernen und in die anspruchsvolle Arbeit einfließen zu lassen, ist Sinn dieser Veranstaltungen. Auf meine Frage, ob die Hospizhelfer/innen eine Unterstützung bekommen, bemerkt sie folgendes. „ Ja, wir müssen selbstverständlich auch an den Schutz der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen denken, denn spurlos geht eine Sterbebegleitung an ihnen nicht vorbei. Einmal im Monat treffen wir uns zur Supervision und zum Austausch von Erfahrungen. Unser traditionelles Sommergrillen, das gemeinsame Weihnachtsessen und der Neujahrsempfang sind unser Dankeschön an die vielen Ehrenamtlichen“.  

Mit Freude erzählt sie, dass sich über die Jahre echte Freundschaften unter den Ehrenamtlichen entwickelt haben und aus der Verbundenheit entstehen immer wieder neue Projekte. Das Altarbild „Hundert Alte“ von der Künstlerin Barbara Gerasch aus der Gruppe 2008 initiiert, ist Zeugnis dieser Gemeinsamkeit. Das Bild war in der Christophoruskirche in Friedrichshagen ausgestellt und geht seitdem auf Wanderschaft. Die Entstehung des Bildes wird in dem Buch „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet“ geschildert.

Es ist ein beeindruckendes Altarbild, zeigt es doch die Unterschiedlichkeit der Menschen im alternden Gesicht, den Facettenreichtum des erlebten Lebens, die Sorge und Lachfalten in unterschiedlichem Ausmaß. Diese Vielfalt an Lebensschicksalen erleben die Helfer bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit und es bereichert desgleichen auch ihr Leben.

Ich habe einiges über Hospizarbeit erfahren und ich bin den vielen ehrenamtlichen Menschen für ihre liebevolle Bereitschaft, anderen in schweren Zeiten zur Seite zu stehen, dankbar. Niemand sollte den letzten Weg ins Regenbogenland alleine gehen. Die Balance zwischen Geben und Nehmen in der Sterbebegleitung ist der Schlüssel einer einfühlsamen Hospizarbeit in einer gesunden Gesellschaft.